Nachwuchsgewinnung und Aufbruchstimmung für die Kerntechnik in Deutschland

Vom 13. bis 15. Juni 2023 fand in Frankfurt am Main die erste KERNTec als neues gemeinsames Veranstaltungsformat von Kerntechnik Deutschland e.V. (KernD) und Kerntechnischer Gesellschaft e.V. (KTG) statt. Ziel der Veranstaltung war es, junge Menschen mit einem technischen oder naturwissenschaftlichen Hintergrund an die Kerntechnik heranzuführen und sie mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu vernetzen. Dabei galt es, die Faszination Kerntechnik für ein interessantes, vielfältiges und bedeutsames Tätigkeitsfeld zu vermitteln und auf die großen Chancen hinzuweisen, die sich derzeit europaweit und international entwickeln. So erwartet die europäische Nuklearallianz der 15 kernkraftfreundlichen EU-Mitgliedern für die kommenden Jahre einen EU-weiten Personalbedarf von 450.000 Mitarbeitern in den kommenden 30 Jahren, davon 200.000 hoch qualifiziert. Diese Entwicklung soll und wird an der deutschen Branche nicht vorbei gehen.

Hauptakteure der KERNTec waren deshalb einerseits Studierende, die – auch aus der Kerntechnik – im Science Slam ihr Forschungsthema oder ihren gegenwärtigen Tätigkeitsbereich kurz, allgemeinverständlich und unterhaltsam vorstellen konnten. Die Beiträge im Science Slam wurden von den Veranstaltungsteilnehmern bewertet und die besten prämiert, denn hierbei gab es ein seitens KTG ausgesetztes Preisgeld in Höhe von 2.000 € zu gewinnen.

Alena Wernke vom Karlsruher Institut für Techologie (KIT) konnte sich den ersten Platz sichern. Frau Wernke studierte zunächst am KIT Maschinenbau und arbeitete anschließend als Konstrukteurin und Projektmanagerin. Da ihr Herz für die Wissenschaft schlägt, kehrte Sie 2019 ans KIT zurück, um zu forschen. Hier arbeitet Sie seitdem an der Entwicklung von Robotern für den Rückbau. Ihr Vortrag lautete: „ROBDEKON – Robotersysteme für die Dekontamination in menschenfeindlichen Umgebungen“.

Auf dem zweiten Platz folgte Frau Tania Barretto. Frau Barretto, die einen Abschluss im Bauingenieurwesen von der Universität von Sao Paulo und einen Master im Bereich Wasserressourcen von der Universität Federal von Rio de Janeiro, Brasilien hat, arbeitet seit 2020 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am KIT. Ihr Forschungsgebiet ist der Rückbau konventioneller und kerntechnischer Bauwerke, insbesondere der Entsorgung von radioaktiven Abfällen. Ihr Beitrag hatte den Titel „Entwicklung eines mobilen, automatisierten, optischen Inspektionssystems für radioaktive Fassgebinde (EMOS)“.

Der dritte Platz ging an Herrn Gregor Schuboth, der derzeit Student an der TU-Dresden ist und sich in den Endzügen seiner Bachelorarbeit befindet. Herr Schuboth begann das Maschinenbaustudium mit Hinblick auf die Vertiefung Raumfahrttechnik, konnte aber bei einem Besuch des Kernkraftwerks Lubmin von der Kerntechnik überzeugt werden. Sein Vortrag widmete sich der „Nutzung der Kerntechnik in der Raumfahrt“.

Weiterhin stellten sich den Anforderungen des Science Slams: Stefan Ballok von der TU Wien mit dem Beitrag „Kernenergie – Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende“, Dr. Iaroslav Meleshenkovskii vom Forschungszentrum Jülich zum Thema „Fast neutron inelastic scattering technology for rapid non-destructive characterization of rare-earth elements in magnets“, Tanzila Nurjahan (TU Dresden) mit „In-situ measurement of moisture content and contamination in concrete during decommissioning of nuclear power plants“. Selim Uygur trat mit der „Herstellung von Laborproben an Uran-Cer Mischoxidkeramik aus wässrigen Metallnitratlösungen“ an, Chiara Wagner sowie Simon Asters Beitrag, beide an der TU Wien, titelte „Das blaue Leuchten – ein Forschungsreaktor in Wien“ und Nelson Felipe Rincón Soto erläuterte Versuche hinsichtlich „Heatpipes zur Nachwärmeabfuhr“.

Auf der anderen Seite bot die KERNTec den teilnehmenden Unternehmen und Einrichtungen die Gelegenheit, sich an Tischen und mit Vorträgen vorzustellen und auf die Möglichkeiten für Berufseinsteiger und Quereinsteiger aufmerksam zu machen. Am wichtigsten aber war die vielfältige Gelegenheit sowohl während des Veranstaltungsablaufes in Kaffee- und Essenspausen, während einzelner informeller Programmpunkte und vor allem bei den beiden Abendveranstaltungen zwanglos ins Gespräch zu kommen. Das Konzept alles – Science Slam, Unternehmensvorstellungen, Vorträge, Unternehmenstische, Mittag- und Abendessen, Kaffeepausen – in einem Raum stattfinden zu lassen hat sich somit hervorragend bewährt.

Dieser direkte Austausch hat sowohl bei den Teilnehmern als auch den Vertretern der Branche nach übereinstimmenden Aussagen sehr gut funktioniert und alle Anwesenden einschließlich der Organisatoren haben von der Veranstaltung eine optimistische Aufbruchstimmung mitgenommen, wie es sie in Deutschland auf diesem Gebiet schon lange nicht mehr gegeben hat. Die jungen Teilnehmer haben auch erfahren, dass gute und engagierte Mitarbeiter hochwillkommen sind und sich eine hervorragende langfristige Perspektive in der Kerntechnik für sie bietet.

Zur allgemeinen Aufbruchstimmung haben auch die Vorträge von Dr. Walter Tromm vom KIT „The Future is Nuclear“ zu Beginn der KERNTec, „Competence.hub – Das Onboarding Programm“ von Dr. Hendrik Wiesel, Framatome, „Newclear – a leap forward into a clean energy future“ von Oliver Rabe, TÜV Nord EnSys, „Making a career as a nuclear generalist“ von Dr. Martin Pache, Westinghouse, „Kerntechnik Made in Germany“ von Frank Apel, KTG sowie „Die Mythen der Kernenergie“ von Sebastian Hahn, PreussenElektra beigetragen. Ergänzt wurde das Wissensangebot für die Teilnehmer durch die Vorstellung der Jungen Generation der KTG (Florian Krist) und der ENS (Hannah Paterson), eines europäischen Programmes zur Förderung der Ausbildung im Kerntechniksektor (Roberta Cirillo) und einer Darstellung zu Stand und künftiger Entwicklung im Bereich nuklearer Abfälle in Europa (Dr. Eileen Langegger). Die Teilnehmer und auch die Branchenvertreter hatten zudem Gelegenheit, kostenlos die Dienste einer Fotografin für professionelle Profilbilder in Anspruch zu nehmen.

Darüber hinaus erhielten alle Studierenden ein digitales Jahresabo der atw. Zusätzlich gab es 10 Freitickets (inkl. Übernachtungen) der KTG für die Teilnahme an der KERNTECHNIK 2024 zu gewinnen.

Aufgrund der positiven Resonanz soll das neue Format beibehalten und weiterentwickelt werden. Im nächsten Jahr wird es damit vom 11. – 13. Juni 2024 erstmalig „KERNTECHNIK welcomes KERNTec“  heißen und so einen weiteren Fokus auf die Gewinnung von Neu- und Quereinsteigern legen.

Für die gesamte Branche und damit auch für die beiden Veranstalter KernD und KTG sind Nachwuchsgewinnung and Kompetenzerhalt die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre, sowohl in wissenschaftlicher Hinsicht als auch für die wirtschaftliche Zukunft und die Möglichkeit, den aktuellen Aufschwung der Kerntechnik in Europa zu nutzen.

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