Europas Kernenergieausbau braucht starke industrielle Lieferketten

Polen investiert in den Aufbau seiner Kernenergiewirtschaft. Für die Umsetzung der geplanten Neubauprojekte sind neben der Reaktortechnologie vor allem leistungsfähige industrielle Lieferketten, erfahrene Zulieferer und eine enge internationale Zusammenarbeit entscheidend.

Wie lassen sich die vorhandenen Kompetenzen der europäischen Kerntechnikindustrie besser vernetzen und für neue Kernenergieprojekte nutzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion beim IV. Nuclear Energy Congress in Warschau, an der Uwe Stoll als Vertreter von Kerntechnik Deutschland e. V. (KernD) teilnahm.

Unter dem Titel „European Experience in Building Nuclear Supply Chains – Lessons Learned for Poland“ diskutierte er gemeinsam mit Vertretern der europäischen Branchenverbände FinNuclear Association, Foro Nuclear, AIN und BULATOM über Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren beim Aufbau kerntechnischer Lieferketten. Moderiert wurde die Diskussion von Berta Picamal Vicente vom europäischen Branchenverband nucleareurope.

Deutsche Kerntechnikkompetenz für europäische Neubauprojekte

Deutschland verfügt trotz des nationalen Atomausstiegs weiterhin über eine leistungsfähige kerntechnische Industrie mit jahrzehntelanger Erfahrung. Deutsche Unternehmen bieten umfangreiche Kompetenzen entlang der gesamten kerntechnischen Wertschöpfungskette – vom Engineering und Anlagenbau über Komponenten und Sicherheitssysteme bis hin zum Kernbrennstoffkreislauf.

Diese Fähigkeiten können einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung europäischer Neubauprojekte leisten. Entscheidend ist dabei, die Unternehmen frühzeitig in die Planung und den Aufbau internationaler Lieferketten einzubinden.

Der Austausch in Warschau machte deutlich, welche Bedeutung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für den Ausbau der Kernenergie in Europa hat. Die notwendigen industriellen Kompetenzen sind in Europa bereits in großem Umfang vorhanden. Nun gilt es, diese gezielt zusammenzuführen und für anstehende Projekte nutzbar zu machen.

Für KernD ist die stärkere Vernetzung der europäischen Kerntechnikindustrie ein zentrales Anliegen. Sie eröffnet deutschen Unternehmen neue Beteiligungsmöglichkeiten und trägt gleichzeitig dazu bei, europäische Lieferketten zu stärken und vorhandenes Fachwissen langfristig zu erhalten.