{"id":6829,"date":"2024-11-13T06:54:58","date_gmt":"2024-11-13T06:54:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kernd.de\/?p=6829"},"modified":"2024-11-13T07:15:20","modified_gmt":"2024-11-13T07:15:20","slug":"wiederinbetriebnahme-von-kernkraftwerken-eine-grundsaetzliche-betrachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kernd.de\/en\/wiederinbetriebnahme-von-kernkraftwerken-eine-grundsaetzliche-betrachtung\/","title":{"rendered":"Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken \u2013 eine grunds\u00e4tzliche Betrachtung"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"6829\" class=\"elementor elementor-6829\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-7e0f599 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"7e0f599\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-268b858\" data-id=\"268b858\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-85eb547 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"85eb547\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><span style=\"color: #003063;\"><strong>Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken &#8211; eine grunds\u00e4tzliche Betrachtung<\/strong><\/span><\/p><p>Nach Abschaltung der letzten in Betrieb befindlichen drei deutschen Kernkraftwerke am 15. April 2023 wurden immer wieder Fragen an den Verband herangetragen, ob und ggf. wie ein Wiederbetrieb m\u00f6glich sei. Nachdem nun dieses Jahr aus den USA bekannt wurde, das Kernkraftwerk Three Mile Island 1 wieder in Betrieb nehmen zu wollen, soll mit dieser Fachinformation auf einige grunds\u00e4tzliche Fragen zur Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken (KKW) eingegangen werden.<\/p><p>Ein erster notwendiger Schritt vor einer Wiederinbetriebnahme bereits abgeschalteter KKW ist der dazu erkl\u00e4rte <u>politische Wille<\/u> seitens der Regierung sowie die Schaffung der entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen. In Deutschland w\u00e4re zuallererst das Atomgesetz zu \u00e4ndern, welches in die Verantwortung des Bundes f\u00e4llt und die Beschaffung politischer Mehrheiten voraussetzt.<\/p><p>Weiterhin sollte die Bev\u00f6lkerung an den jeweiligen Standorten einer Wiederinbetriebnahme zustimmen. Gegen den Willen letzterer solche Entscheidungen zu treffen, ergibt \u2013 wie die Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte zeigen &#8211; wenig Sinn und tr\u00e4gt nicht zu einer langfristigen Akzeptanz bei.<\/p><p>Sodann m\u00fcsste sich ein Betreiber einer solchen Anlage finden, der eine Wiederinbetriebnahme vornehmen w\u00fcrde, was i.d.R. eine <u>Frage der Wirtschaftlichkeit<\/u> ist. Es k\u00f6nnen jedoch auch andere wichtige Rahmen- und Randbedingungen initial eine Rolle spielen, wie etwa Wunsch oder Notwendigkeit, CO2-arm erzeugten Strom produzieren zu wollen.<\/p><p>Nicht zuletzt m\u00fcssten die erforderlichen Fachkr\u00e4fte f\u00fcr den Anlagenbetrieb und die Wartung ebenso wie f\u00fcr die \u00dcberwachung auf Seiten der Beh\u00f6rden zur Verf\u00fcgung stehen. Auch an den Hochschulen und Universit\u00e4ten w\u00e4re eine Verst\u00e4rkung bzw. Wiederbelebung der Studieng\u00e4nge erforderlich; ebenso m\u00fcssten die notwendigen Ressourcen seitens der Industrie wieder aufgebaut werden.<\/p><p>Nach Beantwortung der obigen Fragen muss schlie\u00dflich gekl\u00e4rt werden, ob sich ein bereits abgeschaltetes KKW noch in einem Zustand befindet, der rein <u>technisch gesehen<\/u> eine Wiederinbetriebnahme erlaubt. Durch fortgeschrittenen R\u00fcckbau, aber auch lange Standzeiten k\u00f6nnten wesentliche oder wichtige Bauteile bzw. ganze Baugruppen wie Turbinen und Generatoren unbrauchbar geworden sein.<\/p><p>Alle der genannten Ma\u00dfnahmen und Randbedingungen k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich geschaffen werden, erfordern jedoch ein klares gesellschaftliches Bekenntnis zur Energieerzeugung aus Kernkraft.<\/p><p>Aktuelle Beispiele f\u00fcr die solcherart motivierte R\u00fcckholung von Kernkraftwerken gibt es aus den USA: Das Kernkraftwerk Palisades war 1971 \u2013 2022 in Betrieb und soll bis Ende 2025 wieder in Betrieb genommen werden. Erst k\u00fcrzlich wurde vom Betreiber Constellation angek\u00fcndigt, das Kernkraftwerk Three Mile Island 1, das 2019 abgeschaltet wurde, im Rahmen eines auf 20 Jahre laufenden Stromliefervertrages mit Microsoft wieder in Betrieb zu nehmen.<\/p><p>In Deutschland gibt es solche Beispiele bisher nicht; Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Wiederinbetriebnahme indes g\u00e4be es viele: Nach der Reform des europ\u00e4ischen Emissionshandels (EU-ETS) \u2013 etwa zur selben Zeit, als die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet wurden \u2013 sind Emissionszertifikate wesentlich und dauerhaft teurer. Dadurch steht kein kosteng\u00fcnstiger Kohlestrom mehr zur Verf\u00fcgung. Auch Strom aus Erdgas (als fossiler Energietr\u00e4ger ebenfalls vom EU-ETS betroffen) hatte sich verteuert, im Wesentlichen aus geopolitischen Gr\u00fcnden. Somit fehlt auch diese kosteng\u00fcnstige Alternative. Zudem ergab sich zeitgleich mit der Abschaltung der deutschen KKW die Wandlung Deutschlands vom Stromexporteur zum Importeur. Dieser Wandel fand statt, weil es mit den Kernkraftwerken in Deutschland in Summe tendenziell g\u00fcnstiger war, Strom zu erzeugen als zu importieren. Mit Abschaltung der KKW hat sich dies umgekehrt. Heute wird Strom zu geringen oder gar negativen Preisen exportiert und zu hohen Preisen importiert. Der internationale Vergleich zeigt, dass \u2013 merkbar schon seit 2019 \u2013 durch den deutschen Atomausstieg die Strompreise besonders f\u00fcr die heimische energieintensive Industrie um bis zu Faktor drei im Verh\u00e4ltnis zum Ausland anstiegen. In der Folge wandern Teile der Industrie ab.<\/p><p>Um den aktuellen Weggang und Abbau der deutschen Industrie, insbesondere der energieintensiven Sektoren, aufzuhalten und m\u00f6glichst ganz zu stoppen, um gleichzeitig kosteng\u00fcnstig und CO2-arm produzierten Strom wieder in den Markt zu bringen, der zudem grundlastf\u00e4hig ist, w\u00e4re aus Sicht des Verbandes die schnellstm\u00f6gliche Wiederinbetriebnahme der hiesigen Kernkraftwerke anzustreben, sofern dies technisch noch m\u00f6glich ist. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Deutschland b\u00f6te sich dazu jetzt die Chance.<\/p><p><strong>Fazit\/Zusammenfassung<\/strong>: Theoretisch gesehen gibt es kaum Grenzen, ein ehemaliges Kernkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen, solange keine irreversiblen Sch\u00e4den vorhanden sind bzw. kein irreversibler R\u00fcckbau bereits stattgefunden hat. Die Entscheidung f\u00fcr eine Wiederinbetriebnahme bedingt<\/p><p>a) einen politischen Willen daf\u00fcr und eine entsprechend ge\u00e4nderte Gesetzgebung,<\/p><p>b) einen Nachweis der technischen Machbarkeit und<\/p><p>c) die damit eng verbundene Kl\u00e4rung der Frage der Wirtschaftlichkeit.<\/p><p>Nicht zu vergessen ist das notwendige Vorhandensein von Fachpersonal f\u00fcr die Ert\u00fcchtigung der Anlage zum Wiederbetrieb und Betriebspersonal f\u00fcr den erneuten Dauerbetrieb. Auch Finanzkapital muss bereitgestellt werden, welches f\u00fcr all diese Ma\u00dfnahmen notwendig ist. Als positiv zu vermerken ist, dass es in Deutschland immer noch eine hervorragend aufgestellte kerntechnische Industrie gibt, welche die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken begleiten k\u00f6nnte, sei es durch Servicedienstleistungen oder Lieferung von neuem Brennstoff. Diese Industrie steht f\u00fcr solche Aufgaben bereit. Die letztendliche Entscheidung indes f\u00fcr einen Wiederbetrieb ist jedoch immer anlagen- und standortabh\u00e4ngig, sie ist in ihrer Struktur komplex und kann nur mit dem bisherigen Betreiber gef\u00e4llt werden.<\/p><p><\/p><p><strong>Nuclear Technology Germany e. V. (KernD)<\/strong><br \/>Berliner Str. 88 A<br \/>13467 Berlin, Germany<br \/><a href=\"mailto:info@kernd.de\">info@kernd.de<\/a><br \/>Tel. +49 30 31988299<\/p><p><strong>Ansprechpartner<\/strong>\u00a0<br \/>Nicolas Wendler<br \/>Leiter Presse und Politik<br \/><a href=\"mailto:nicolas.wendler@kernd.de\">nicolas.wendler@kernd.de<\/a><br \/>Tel. +49 172 2379184<\/p><p><\/p><p><a href=\"https:\/\/kernd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/KernD-Information-Wiederbetriebnahme-von-Kernkraftwerken.pdf\">Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken \u2013 eine grunds\u00e4tzliche Betrachtung<\/a><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken &#8211; eine grunds\u00e4tzliche Betrachtung Nach Abschaltung der letzten in Betrieb befindlichen drei deutschen Kernkraftwerke am 15. 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